Onlineforum zum Thema Corona-Impfung

Wird es mehr Corona-Tests an Schulen und in Kitas geben? Welche Allergien sprechen gegen eine Impfung? Und sollten Fahrdienstleister, die die Personenbeförderung zum Impftermin übernehmen, sinnvollerweise gleich mitgeimpft werden? – Es gab einiges an Fragen und Anregungen beim Onlineforum in der Reihe „Mut machen in der Krise – Wir sehen uns!“. In loser Folge lädt der Loxstedter Präventionsrat in Zusammenarbeit mit der Jugendpflege der Gemeinde Loxstedt zu diesen Onlineveranstaltungen ein. Den Anfang machte das Thema Corona-Impfung. Den Fragen der gut 40 Teilnehmer stellten sich Detlef Wellbrock, Bürgermeister der Gemeinde Loxstedt und gleichzeitig Sprecher des Präventionsrats, Dr. Pio Faust, Ärztlicher Leiter des Cuxhavener Impfzentrums, und Friedhelm Ottens, Erster Kreisrat des Landkreises Cuxhaven und Leiter des Corona-Krisenstabs.

„Auch für uns als Landkreis ist es eine sehr herausfordernde Situation“, beschreibt Kreisrat Friedhelm Ottens, der vor etwa einem Jahr die Stabsleitung übernommen hat. Im Herbst letzten Jahres sei der Landkreis gebeten worden, Impfzentren und mobile Teams aufzubauen: „Es ist schwierig, den Hadeler und den Wesermünder Teil des Landkreises abzudecken. Wir haben einen Antrag auf zwei Impfzentren, eines in Cuxhaven und eines beim DRK im Stoteler Loxpark gestellt, aber nur vier mobile Teams und ein Impfzentrum bewilligt bekommen“, berichtet er.

Aktuell seien 3444 Erstimpfungen in 36 von 53 Alten- und Pflegeheimen im Landkreis Cuxhaven durchgeführt worden (Stand 2. Februar 2021). 92 Verstorbene im Zusammenhang mit dem Corona-Virus gebe es im Landkreis. „Circa 15000 Personen sind in der ersten Phase anspruchsberechtigt“, sagt Friedhelm Ottens. Impfstoff, den der Landkreis bekommen habe, sei von Beginn an vollumfänglich verimpft worden. 0,3 Milliliter würden jeweils verimpft, sechs Impfungen pro Fläschchen: „Wir haben immer optimal ausgeschöpft, was da war.“ Anfangs habe der Landkreis Cuxhaven alle sieben Tage Impfstoff bekommen, jetzt alle neun Tage. „Der Kreis Osterholz bekommt alle 15 Tage Impfstoff, der Kreis Wesermarsch alle 20 Tage und der Kreis Stade ebenfalls alle neun Tage“, kann der Kreisrat berichten und sieht Schwierigkeiten in den zunächst vorgesehenen kreisübergreifenden Impfungen: „Wir nehmen in den Landkreisen eine Impfung weg. Der Impfstoff ist so knapp, dass auch das eine Rolle spielt.“ Und die Kosten, die die Stadt Bremerhaven für die Impfung von Landkreis-Bewohnern in Rechnung stelle, könne der Landkreis so nicht übernehmen. Er wünsche sich ein „Impfen auf dem Dorf“, formuliert Friedhelm Ottens. Daran könne man aufgrund der Knappheit des Impfstoffes vor Ende März aber auf keinen Fall denken: „Wir sind mit den Gemeinden im Gespräch. Es müssen Gebäude ausgewählt und Fahrdienste eingerichtet werden. Die Schwierigkeit ist, dass wir das nur dann durchführen können, wenn wir Impfstoff haben“, sieht er hier den Grund für die große Aufgeregtheit. „Alles steht und fällt mit dem Impfstoff. Ich weiß es ist schwierig, aber wir müssen abwarten, bis mehr Impfstoff da ist“, appelliert er, die Ruhe zu bewahren. Denkbar sei dann auch die Nutzung von Hausarztzentren: „Die mobilen Teams können 300 Impfungen am Tag durchführen. Dazu muss, ähnlich wie bei Blutspende, aber einiges vorbereitet werden.“ Man wolle alles Machbare tun, könne aber keine sicheren Angaben dazu machen: „Wir haben es nicht in der Hand.“ In Kürze werde der Landkreis zusätzlich über eine neue Homepage über das Thema Impfen informieren, kündigt Friedhelm Ottens an.

Dr. Pio Faust ist Anästhesist und Schmerzspezialist und seit Dezember letzten Jahres Ärztlicher Leiter des Cuxhavener Impfzentrums. Direkt im Impfzentrum habe es bisher nur einen Probelauf für im Rettungsdienst tätige Personen gegeben. „Unser nächstes Anliegen ist es, die Heime rasch zu versorgen“, sieht er dort das gefährlichste Geschehen. Das Impfzentrum habe bereits sehr viele Anfragen von berufsbedingt Betroffenen wie Hausärzte, Zahnärzte und Palliativteams erhalten: „Ich wüsste gar nicht, wo wir anfangen sollen mit so wenig Impfstoff“, ist auch für ihn die Knappheit das größte Problem. Von Bundesebene sei der Impfstoff nach Inzidenzen verteilt worden: „Niedersachsen war lange Zeit zu gut“, sagt Dr. Pio Faust. Das Land Niedersachsen habe die dort vorgesehene Verteilung nach Bevölkerungsdichte umgesetzt. Positiv sehe er, dass sich von 230 weltweit gestarteten Impfstoff-Projekten 63 in klinischen Prüfungen befänden. „In Deutschland haben wir drei zugelassene Impfstoffe, vermutlich werden noch zwei weitere hinzukommen, die beide nicht so empfindlich sind.“ Darin sehe er die große Chance, in die Breite zu gehen. „Geduld ist das höchste Gut, das wir alle einsetzen können.

„Es wäre sehr gut gewesen, zwei Impfzentren zu haben. Wir hoffen darauf, dass es noch zu einer Lösung kommt, wenn mehr Impfstoff da ist“, meint Bürgermeister Detlef Wellbrock (parteilos). Alle Gemeinden im Landkreis Cuxhaven hätten ihre Hilfe zugesichert, eine Orga-Gruppe sei bereits ins Leben gerufen worden, um vor Ort in den Gemeinden das Impfen ermöglichen zu können. „Es haben sich schon zahlreiche Ehrenamtliche gemeldet, um Fahrdienste und ähnliches zu übernehmen. Auch die Ortsvorsteher stehen bereit“, so der Bürgermeister. „Wir haben auch schon darüber gesprochen, wie wir eine eigene Hotline für die Gemeinde einrichten.“ Das Hauptproblem bleibe der Lieferumfang des Impfstoffes. „Bei all der nachvollziehbaren Unsicherheit, der Verärgerung und dem Unverständnis sollten wir den Fokus darauf richten, dass wir alle auf möglichst unbürokratischem Wege gemeinsam helfen wollen, den Menschen vor Ort eine Alternative zu schaffen“, könne er für alle Bürgermeister-Kollegen aus dem Nord- und dem Südkreis sprechen.

Die Frage aus der Gesprächsrunde nach einer Impfung von Fahrdienstleistern sieht Friedhelm Ottens als schwierig an: „Wir haben viele Anrufe von Personen, die sagen, ich muss unbedingt geimpft werden. Das sind berechtigte Fragen, aber wir müssen überlegen, wie wir das machen. Wir können diese Frage nur mitnehmen.“

Zur Frage nach Allergien, die gegen eine Impfung sprechen würden, erklärt Dr. Pio Faust, dass es bei vielen Impfungen Reaktionen gebe, da sich der Körper damit auseinandersetze. Aufgrund von Beobachtungen sei beim Biontech-Wirkstoff festgestellt worden, dass es kaum noch Gegenanzeigen gebe. Bei einigen Patienten, die auf Polyethylenglykol in Kosmetika bereits reagiert hätten und die sehr empfindlich seien, könne die Impfung stärkere allergische Reaktionen auslösen. Ein entsprechendes Notfallset sei vor Ort immer verfügbar. Auch seien ihm bisher keine Medikamente bekannt, die Wechselwirkungen zu dem aktuell verimpften Impfstoff auslösen könnten. Alle Fragen könnten vor Ort besprochen werden, zu jeder Impfung gehöre ein ärztliches Gespräch: „Niemand wird einfach nur durch die Impfstraße geschickt“, versichert der Mediziner. Es sei jedoch gut, wenn Impflinge vorbereitet in dieses Gespräch gehen würden und eine Liste ihrer Medikamente parat hätten.

Die Frage nach mehr Corona-Tests in Schulen und Kitas sei ein Thema, über das bereits gesprochen werde, für das es aber momentan keine Lösung gebe: „Wir tendieren dazu, die Labore nicht noch weiter mit präventiven Tests zu belasten“, sagt Krisenstabsleiter Friedhelm Ottens mit Blick darauf, dass es bereits zahlreiche PCR-Tests in Verdachtsfällen gebe. Mit Schnelltests dagegen müsse man vorsichtig sein, ihre Aussagekraft sei nicht so hoch, sie seien nur eine Momentaufnahme. Das sieht auch Bürgermeister Detlef Wellbrock so: „Die Inkubationszeit kann zwischen drei und fünf bis zu 14 Tagen betragen, Schnelltests bieten da nur eine trügerische Sicherheit.“