Kriminalität und Corona – Die Polizei berichtet

Zahlreiche Informationen beim Online-Abend

Knapp 498000 Straftaten mit einer Aufklärungsquote von 64,3 Prozent: Das sind nur zwei Zahlen aus der Ende März vorgestellten Kriminalstatistik des Landes Niedersachsen, die Anja Haßelhorn-Oonk, Leiterin des Polizeikommissariats Schiffdorf, jetzt nannte. Im Rahmen der Online-Veranstaltungsreihe „Mut machen in der Krise – Wir sehen uns!“ stand die aktuelle Kriminalitäts- und Einsatzlage im Zusammenhang mit der Pandemie auf dem Programm. Eingeladen hatte der Loxstedter Präventionsrat in Zusammenarbeit mit der Jugendpflege der Gemeinde Loxstedt.

Als historischer Tiefstand im Bereich der polizeilich registrierten Straftaten – erstmals unter einer halben Million – wird die Anzahl der Taten bezeichnet, als absoluter Höchstwert seit Erfassung die Aufklärungsquote. „Viele Bürger sind Corona-bedingt mehr zu Hause. Man passt aufeinander auf und wir bekommen auch mehr Hinweise aus der Bevölkerung“, erklärte Anja Haßelhorn-Oonk diese Entwicklung.

Doch nicht nur Positives gab es zu berichten: „Die Diebstähle im Bereich von Fahrrädern sind eklatant angestiegen. Dabei geht die Schadenshöhe nach oben, weil immer mehr E-Bikes gestohlen werden.“ Die Aufklärungsquote liege hier nur bei acht Prozent. Man solle es den Tätern schwerer machen und das Fahrrad gut anketten, appellierte sie. Positiv sei der Rückgang der Tankbetrügereien. Dafür gebe es einen massiven Anstieg bei Delikten am Computer: „Im Land Niedersachsen sind die Betrugsdelikte nach oben gegangen“, war zu erfahren. Eine ganz neue Masche, definitiv auf Corona ausgelegt, seien SMS-Paketbenachrichtigungen, bei denen ein angeklickter Link eine App installiere, mit der mittels Fernsteuerung auf das Handy zugegriffen werden könnte. „Man sollte einen IT-Fachmann daransetzen, es ist nicht damit getan, das Gerät auf Werkseinstellung zurückzusetzen“, rät Anja Haßelhorn-Oonk Betroffenen. Gewarnt werde aktuell außerdem vor Handwerkskolonnen, die Reinigungsarbeiten anbieten und vorher vereinbarte Preise auf Wucherpreise erhöhen und die Auftraggeber massiv angehen würden. Teilweise ließen sich diese Handwerker auch schon komplett bezahlen, um nach Material zu holen und kämen nie wieder. Auch Straftaten gegen ältere Menschen, bei denen diese beispielsweise um ihr Erspartes gebracht werden, kämen ebenso wie Stalking immer wieder vor. Angestiegen seien Widerstände und tatsächliche Angriffe auf Polizeibeamte im Bereich der Polizeiinspektion Cuxhaven als übergeordnete Dienststelle des Schiffdorfer Polizeikommissariats. Auch die Zahl der Wildunfälle sei Corona-geschuldet gestiegen: „Es gibt ganz wenig Treibjagden und ganz viel Wild auf den Straßen.“ Die Auflösung von nichtzulässigen Zusammenkünften sei ebenso ein Thema im Rahmen der Pandemie wie Straftaten nach dem Infektionsschutzgesetz, zum Beispiel Quarantäne-Verstöße. Generell gebe es eine sinkende Reizschwelle.

Uwe Sandrock, Koordinator Prävention der Polizeiinspektion Cuxhaven, klärte in diesem Zusammenhang über Vorgehensweisen von Straftätern unter Ausnutzung der Corona-Situation auf und gab Hinweise zum Selbstschutz. „Bei Einbrüchen haben wir festgestellt, dass die Versuche zugenommen haben und die vollendeten Taten rückläufig sind. Die Einbrecher kommen nicht mehr so schnell rein“, sieht er

Erfolge in der Präventionsarbeit. Er warnte vor Anrufen und Besuchen von falschen Polizeibeamten. Dabei gebe es immer wieder neue, vielfältige Ideen, riet er zur Wachsamkeit. „Seien Sie vorsichtig und misstrauisch, lassen Sie sich im Zweifel den Ausweis zeigen oder lassen Sie niemanden rein“, so sein Appell.