Gaffer behindern Feuerwehr

Wie wollen wir miteinander umgehen? Das war das Thema des Präventionsrats Loxstedt, der sich in einer Diskussion mit Hasskommentaren, Fake News und Gaffern beschäftigte. Eingeladen waren Leute, die sich beruflich oder privat damit auseinandersetzen müssen. Auf dem Podium sa?en Leute aus dem Kreis Cuxhaven, die praktische Erfahrungen mit diesen Themen haben.

Moritz Becker vom Smiley-Verein aus Hannover führte ins Thema ein und leitete dann die Diskussion. Anschaulich beleuchtete er die Gründe für Übergreifende Äußerungen im Internet. „Die Leute wollen Aufmerksamkeit oder haben Langeweile“, berichtete er. Manchmal seien es auch Missverständnisse, die zur Diffamierung führen.

Claas Götjen ist ehrenamtlicher Administrator der Facebook-Gruppe Lunestedt mit mehr als 800 Mitgliedern. Diese Gruppe ist nicht öffentlich. Beitreten darf man nur durch persönliche Bekanntschaft mit einem Mitglied. Durch diesen eingeschränkten Zugang kennt man sich untereinander. „Hasskommentare sind eher selten“, berichtete Götjen. Manchmal sei es aber schwierig einzuschätzen, ob ein Beitrag noch Meinung sei oder schon Hetze. Götjen setzt zuerst auf die Eigenverantwortlichkeit der Nutzer. Ein Mitglied kann aber auch ausgeschlossen werden.

Kriminalhauptkommissar Uwe Sandrock, Beauftragter für Jugendsachen und Koordinator Prävention der Polizeiinspektion Cuxhaven, wird von vielen Schulleitungen im Kreis eingeladen und diskutiert bereits in Grundschulklassen über Benimmregeln bei WhatsApp. Seine Erfahrung: „Soziale Medien sind das Wichtigste für Schüler und nicht,
was die Eltern wollen.“ In der Prävention gehe es darum, Verhaltensregeln aufzustellen und zu zeigen, wo Hilfe zu bekommen ist – zum Beispiel auch bei der Polizei.

An der Haupt- und Realschule Loxstedt ist Dana Glackemeyer ausgebildete Streitschlichterin. Sie berichtete von Konflikten, die in WhatsApp-Gruppen durch missverstandene Nachrichten entstehen und dann in der Schule herumgetragen werden. Lehrerin Saskia Mayr, verantwortlich für die Streitschlichterausbildung an der Schule, könnte sich auch Konfliktschlichter im Internet vorstellen. Moderator Becker verwies auf die Webseite von „love-storm.de“.

Michael Wilcks, Ortsbrandmeister in Loxstedt, hat schon Einsätze erlebt, bei denen Gaffer die Rettungskräfte massiv behinderten. Handyfotos würden teilweise schneller veröffentlicht, als die Angehörigen informiert sind.

Um diese Leute im Nachhinein zu verwarnen, müsste man sie aus der Anonymität holen, was aber eine entsprechende Dokumentation voraussetzt, so die Polizeihauptkommissarin Anja Haßelhorn-Oonk, Leiterin des Kommissariats Schiffdorf.

„Ich gehe nach Hause mit mehr Fragen, als ich vorher hatte, aber es sind andere“, schloss Moderator Becker den Abend. Vielen im Publikum erging es sicherlich ähnlich. (ric)

Foto und Text: Nordsee-Zeitung